flowchart LR mom_hs --> kid_score u --> kid_score
Fallbeispiele
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stan_glm auswertenOrientiert an McElreath (2020) (Kap. 4.4) sowie Gelman et al. (2021) (Kap. 7, 10).
Taxonomie von Forschungsfragen
Skalenniveaus der beteiligten Variablen:
y: metrische AVg: Gruppierungsvariable (nominal, mehrstufig)b: binäre UVx: metrische UVu: ungemessene (unbekannte) VariableFür jede Forschungsfrage: Beispiel, Modellformel, Kausalgraph, Auswertung.
Taxonomie von Forschungsfragen
kidiq: IQ von Kindern, Schulabschluss und IQ der Mutter (R-Paket rstanarm)penguins: Körpermaße dreier Pinguinarten (R-Paket palmerpenguins)Definition: Skalenniveaus
Um Forschungsfragen zu klassifizieren, muss man wissen, welches Skalenniveau AV und UV(s) haben.
Taxonomie von Forschungsfragen
y ~ bBinäre UV — Schulabschluss der Mutter
Hintergrund: Eine Schulpsychologin sucht “Risikofaktoren” für geringere Intelligenz von Kindern.
Ist der mittlere IQ-Wert von Kindern, deren Mutter über einen Schulabschluss verfügt (
mom_hs = 1), höher als bei Kindern ohne diesen Hintergrund (mom_hs = 0)? (ceteris paribus)
Modellformel: kid_score ~ mom_hs
Fallbeispiel 1: y ~ b
Hypothese für ungleiche Mittelwerte
\[H_A: \mu_{x=1} \gt \mu_{x=0}\]
Fallbeispiel 1: y ~ b
flowchart LR mom_hs --> kid_score u --> kid_score
y hat laut Modell zwei Ursachen: mom_hs und u (unbekannt/sonstige Einflüsse).
Fallbeispiel 1: y ~ b
stan_glm(kid_score ~ mom_hs, data = kidiq)
\[\begin{aligned} \text{kid score}_i &\sim \operatorname{Normal}(\mu_i, \sigma) && \text{Likelihood} \\ \mu_i &= \beta_0 + \beta_1 \cdot \text{mom hs}_i && \text{Lineares Modell} \\ \beta_0 &\sim \operatorname{Normal}(87, 51) && \text{Prior Achsenabschnitt} \\ \beta_1 &\sim \operatorname{Normal}(0, 124) && \text{Prior Regressionsgewicht} \\ \sigma &\sim \operatorname{Exp}(0.049) && \text{Prior Vorhersagegüte} \end{aligned}\]
Fallbeispiel 1: y ~ b
kid_score = 78 + 12*mom_hs + error
mom_hs = 0error: Vorhersagefehler (\(y - \hat{y}\))Gruppenmittelwerte unterscheiden sich um ca. 12 Punkte (89.4 vs. 77.6).
Fallbeispiel 1: y ~ b
Fallbeispiel 1: y ~ b
Prüfung mit rope(m10.1, range = c(-5, 5)): 0 % Überlappung von ROPE und 95 %-HDI.
Fazit: Praktisch-Null-Hypothese wird verworfen.
Fallbeispiel 1: y ~ b
Mit 95 % Wahrscheinlichkeit liegt der Unterschied im mittleren IQ zwischen 7 und 16 Punkten: \(95\%PI: [7,16]\).
Wichtig
Korrelation ungleich Kausation. Ein Kausaleffekt braucht mehr Fundierung als eine einfache Assoziation — etwa Theorie oder bestehende Studien.
Alternative (frequentistisch): der t-Test — führt zu ähnlichem Ergebnis wie y ~ b.
Fallbeispiel 1: y ~ b
y ~ x + bMetrische und binäre UV gemeinsam
Wie stark ist der statistische Effekt von Schulabschluss der Mutter (
mom_hs) und IQ der Mutter (mom_iq) auf den IQ des Kindes?
Modellformel: kid_score ~ mom_iq + mom_hs
Hypothesen: \(\beta_{momhs} > 0\) und \(\beta_{momiq} > 0\)
Fallbeispiel 2: y ~ x + b
flowchart LR mom_hs --> kid_score mom_iq --> kid_score u --> kid_score
Fallbeispiel 2: y ~ x + b
stan_glm(kid_score ~ mom_iq + mom_hs, data = kidiq)
kid_score = 26 + 0.6*mom_iq + 6*mom_hs + error
Fallbeispiel 2: y ~ x + b
mom_hs: Unterschied von 6 Punkten bei gleichem mütterlichem IQmom_iq: 0.6 Punkte Unterschied pro IQ-Punkt der Mutter, bei gleichem Schulabschluss95 %-ETI schließt für beide UV die Null aus — Nulleffekt wird abgelehnt.
Fallbeispiel 2: y ~ x + b
y ~ x + b + x:b
Gibt es einen Interaktionseffekt zwischen mütterlichem Schulabschluss und mütterlichem IQ?
Wichtig
Liegt eine Interaktion vor, unterscheidet sich die Steigung der Geraden zwischen den Gruppen. Liegt keine Interaktion vor, sind die Geraden parallel.
Modell m10.4: kid_score ~ mom_iq + mom_hs + mom_hs:mom_iq
Fallbeispiel 3: Interaktion
\[\text{kid score} = \beta_0 + \beta_1 \cdot \text{mom hs} + \beta_2 \cdot \text{mom iq} + \beta_3 \cdot \text{mom hs} \cdot \text{mom iq}\]
\(\beta_3\) = Stärke des Interaktionseffekts (Unterschied der Steigungen).
Fallbeispiel 3: Interaktion
Alle drei Effekte (IQ, Schulabschluss, Interaktion) schließen die Null aus.
Fallbeispiel 3: Interaktion
y ~ x_c + b + x_c:b
Definition: Zentrieren
Zentrieren (centering) bedeutet, die Differenz eines Messwerts zu seinem Mittelwert zu bilden: mom_iq_c = mom_iq - mean(mom_iq). Zentrierte Werte machen den Achsenabschnitt einfacher interpretierbar.
Modell m10.5: kid_score ~ mom_hs + mom_iq_c + mom_hs:mom_iq_c
Fallbeispiel 4: Zentrierung
mom_hs: Unterschied bei Müttern mittlerer Intelligenz, mit/ohne Abschlussmom_iq_c: Unterschied pro IQ-Punkt der Mutter, ohne Abschlussmom_iq_c zwischen den GruppenFallbeispiel 4: Zentrierung
Es ändert nur die Interpretierbarkeit des Achsenabschnitts.
Wichtig
Kausalaussagen (z. B. im DAG postuliert) benötigen eine explizite Begründung aus der Literatur — sonst nicht haltbar.
Fallbeispiel 4: Zentrierung
y ~ gNominale UV mit mehreren Stufen — Pinguine
Unterscheiden sich die mittleren Körpergewichte der drei Pinguinarten (Adelie, Chinstrap, Gentoo)?
Modellformel: body_mass_g ~ species
flowchart LR g[species] --> y[body_mass_g] u --> y
Fallbeispiel 5: y ~ g
\(H_0: \mu_1 = \mu_2 = \ldots = \mu_k\) — dass alle Mittelwerte exakt gleich sind, ist unplausibel.
Bessere Frage:
Wie sehr unterscheiden sich die mittleren Körpergewichte zwischen den Pinguinarten?
(Frequentistisches Pendant: Varianzanalyse/ANOVA. Bayesianisch: Post-Verteilung.)
Fallbeispiel 5: y ~ g
Fallbeispiel 5: y ~ g
stan_glm(body_mass_g ~ species, data = penguins)
Adelie, im Achsenabschnitt): mittleres Gewicht ca. 3700 gChinstrap/Gentoo: Unterschied zur ReferenzgruppeFallbeispiel 5: y ~ g
Gentoo: deutlich schwerer als Adelie (Intervall überlappt Null nicht)Chinstrap: ähnlich zu Adelie (Intervall überlappt deutlich mit Null)Fazit: nicht alle Gruppen unterscheiden sich gleichermaßen — die exakte Nullhypothese wird dennoch verworfen.
Fallbeispiel 5: y ~ g
species sollte als factor kodiert werdenfct_relevel(species, "Gentoo") setzt neue ReferenzkategorieDer Wechsel der Referenzkategorie ändert nichts Wesentliches am Modell — nur welche Vergleiche direkt ablesbar sind.
Vertiefung: Wechsel der Referenzkategorie
y ~ x1 + x2Zwei metrische UV
Stehen sowohl der IQ der Mutter als auch, unabhängig davon, das Alter der Mutter im Zusammenhang mit dem IQ des Kindes?
Deskriptive Forschungsfrage — keine Kausalwirkung impliziert.
Wichtig
“Effekt” klingt nach Kausalzusammenhang. Eine Regression allein ist keine hinreichende Begründung für Kausalität.
Fallbeispiel 6: y ~ x1 + x2
Fallbeispiel 6: y ~ x1 + x2
Univariate Modelle: kid_score ~ mom_iq (m10.7), kid_score ~ mom_age (m10.8)
Fallbeispiel 6: y ~ x1 + x2
stan_glm(kid_score ~ mom_iq + mom_age, data = kidiq)
Wichtig
Regressionsgewichte im multiplen Modell unterscheiden sich (potenziell) von den univariaten Modellen — sie sind “bereinigt” um den jeweils anderen Prädiktor.
mom_iq erklärt sichtbar mehr Variation als mom_age.
Fallbeispiel 6: y ~ x1 + x2
y ~ x1_z + x2_z und y_z ~ x1_z + x2_z
Welcher Prädiktor ist “wichtiger”? Das hängt auch von der Skalierung ab — mom_iq streut stärker als mom_age.
Definition: z-Standardisierung
\[z = \frac{x - \bar{x}}{sd(x)}\] Ergebnis: Mittelwert 0, SD 1 — macht Effekte verschiedener Prädiktoren vergleichbar.
Fallbeispiel 7: Standardisierung
In R: standardize() aus easystats oder scale().
Fallbeispiel 7: Standardisierung
y_z ~ x1_z + x2_zstan_glm(kid_score_z ~ mom_iq_z + mom_age_z, data = kidiq_z)
kid_score_z = 0 = Mittelwert)95 %PI mom_iq_z: [0.38, 0.51] — mom_age_z: [-0.02, 0.12]
y_z ~ x1_z + x2_z
Fazit: Intelligenz der Mutter ist statistisch relevant, Alter der Mutter eher nicht. \(R^2 \approx 0.2\).
Wichtig
“Statistischer Effekt” statt “Effekt” betonen — kausale Sprache nur mit Begründung (Theorie/Literatur/Experiment).
y_z ~ x1_z + x2_z
Theorem: Beta-r-Zusammenhang
\[b = r \frac{sd_y}{sd_x}\] Sind X und Y z-standardisiert, sind Regressionskoeffizient und Korrelation identisch.
Vertiefung
Zentrale Annahme: AV ist lineare Funktion der Prädiktoren, \(y = \beta_0 + \beta_1 x_1 + \beta_2 x_2 + \cdots\)
Residuum: \(e_i = y_i - \hat{y}_i\)
Vertiefung
Multiple Regressionskoeffizienten = Regression der Residuen eines Prädiktors (nach Herausrechnen des anderen) auf die AV.
mom_iq-Residuen sind stark mit der AV assoziiert, mom_age-Residuen kaum.
Vertiefung
stan_glm() und lm() liefern bei schwach informativen Priors ähnliche Punktschätzer.
Wichtig
Numerisch ähnliche Ergebnisse, aber grundverschiedene Interpretation: Bayes-Modelle erlauben Wahrscheinlichkeitsaussagen zu Parametern, frequentistische nicht.
Vertiefung
Ausblick: Regression mit binärer AV (nächstes Kapitel).
Fazit

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