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Hallo, Wahrscheinlichkeit
Wahrscheinlichkeitstheorie: die Mathematik des Zufalls
Im wirklichen Leben sind Aussagen so gut wie nie sicher:
Wahrscheinlichkeit hilft, solche Aussagen zu präzisieren.
Sie können …
Definition: Zufallsvorgang
Ein Zufallsvorgang (Zufallsexperiment) ist eine klar beschriebene Tätigkeit, deren Ergebnis nicht sicher ist. Die Menge möglicher Ergebnisse ist aber bekannt, und die Wahrscheinlichkeit jedes Ergebnisses lässt sich quantifizieren.
Vorsicht
Zufall heißt nicht, dass ein Vorgang keine Ursachen hätte. Der Fall einer Münze gehorcht den Gesetzen der Gravitation — kennten wir alle Ausgangsbedingungen exakt, wäre er vorhersagbar. “Zufall” versteht man daher besser als “unbekannt”.
Definition: Ergebnisraum
Die möglichen Ergebnisse eines Zufallsvorgangs bilden eine Menge, den Ergebnisraum \(\Omega\). Die Elemente \(\omega\) von \(\Omega\) heißen Ergebnisse.
\[\Omega = \{1,2,3,4,5,6\}\]
Die Wahrscheinlichkeitsrechnung baut auf der Mengenlehre auf.
Definition: Ereignis
Jede Teilmenge von \(\Omega\) heißt Ereignis: \(A \subseteq \Omega\).
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Beispiel: “Augenzahl 6 liegt oben” \(\rightarrow A = \{6\}\)
Definition: Unmögliches und sicheres Ereignis
Die leere Menge \(\varnothing\) heißt das unmögliche Ereignis, der Grundraum \(\Omega\) heißt das sichere Ereignis.
Definition: Elementarereignis
Jede einelementige Teilmenge \(\{\omega\}\) von \(\Omega\) heißt Elementarereignis.
Definition: Vollständiges Ereignissystem
Wird der Grundraum \(\Omega\) vollständig in paarweise disjunkte Ereignisse zerlegt, so bilden diese Ereignisse ein vollständiges Ereignissystem.
Beispiel Würfel: \(A\) = gerade Zahlen, \(B\) = ungerade Zahlen
Definition: Mächtigkeit
Die Anzahl der Elementarereignisse eines Ergebnisraums nennt man die Mächtigkeit, Symbol \(|\Omega|\).
Beispiel: Würfel mit \(\Omega = \{1,...,6\}\) hat \(|\Omega| = 6\).
Zwei Ereignisse \(A\), \(B \subseteq \Omega\) sind disjunkt, wenn ihre Schnittmenge leer ist: \(A \cap B = \emptyset\)
Beispiel: “gerade Augenzahl” (\(\{2,4,6\}\)) und “ungerade Augenzahl” (\(\{1,3,5\}\))
Klassische Logik: “Alle Schwäne sind weiß.” → “Dies ist ein Schwan.” → “Dieser Schwan ist weiß.”
Mit Wahrscheinlichkeit: “Die meisten Schwäne sind weiß.” → “Dies ist ein Schwan.” → “Dieser Schwan ist wahrscheinlich weiß.”
Wahrscheinlichkeit = Erweiterung der Logik (Jaynes & Bretthorst, 2003)
In formaler Logik: ein Ereignis ist falsch (0) oder wahr (1). Der Raum dazwischen ist die Wahrscheinlichkeit \(0 < p < 1\).
Definition: Wahrscheinlichkeit
Die Wahrscheinlichkeit ist ein Maß für die Plausibilität einer Aussage \(A\), gegeben Hintergrundinformationen \(D\): \(Pr(A|D)\). Sie liegt zwischen 0 (unmöglich) und 1 (sicher).
Wahrscheinlichkeit existiert nicht wie ein Stein — sie ist eine Art von Wissen (Jaynes & Bretthorst, 2003).
Dieselbe Münze, unterschiedliches Wissen, unterschiedliche Wahrscheinlichkeit.
Unvollständig: “Morgen regnet es mit 70 % Wahrscheinlichkeit.”
Besser: \(Pr(\text{Regen} \mid \text{Wettermodell X})\)
Symptome \(S\) eines Hautkrebses: \(Pr(K) = 0{,}001\), aber \(Pr(K \mid S) \gg 0{,}001\)
Hinweis
Sagt jemand “Die Wahrscheinlichkeit von A ist x %”, frag immer: gegeben welcher Annahmen, welcher Evidenz?
Definition: Indifferenzprinzip
In Abwesenheit von Informationen, die bestimmte Ereignisse bevorzugen, sollten alle möglichen Ereignisse als gleich wahrscheinlich angesehen werden.
\[Pr(A) = \frac{1}{n} = \frac{1}{|\Omega|}\]
Beispiel: \(Pr(\text{6 beim Würfeln}) = 1/6\)
Definition: Laplace-Experiment
Ein Zufallsexperiment, bei dem alle Elementarereignisse dieselbe Wahrscheinlichkeit haben, nennt man Laplace-Experiment.
\[Pr(A)=\frac{\text{Anzahl Treffer}}{\text{Anzahl möglicher Ergebnisse}}\]
Wenn Elementarereignisse nicht gleichwahrscheinlich sind: einfach ausprobieren.
Ein (angeblich fairer) Würfel wird 1000-mal geworfen — Anteil der 6 beobachten:
Definition: Relation
Eine Relation zweier Ereignisse bezeichnet die Beziehung, in der die beiden Ereignisse zueinander stehen.
Typische Relationen: Gleichheit, Ungleichheit, Vereinigung, Schnitt
Werkzeug zur Veranschaulichung: Venn-Diagramme
Definition: Vereinigung von Ereignissen
\(C = A \cup B\) besteht aus allen Elementarereignissen von \(A\) oder \(B\).
R: union(A, B)
Definition: Schnittmenge von Ereignissen
\(A \cap B\) umfasst genau die Elementarereignisse, die Teil beider Ereignisse sind (“A und B”).
R: intersect(A, B)
Definition: Komplementärereignis
\(B\) ist Komplementärereignis zu \(A\), wenn es genau die Elementarereignisse von \(\Omega\) umfasst, die nicht zu \(A\) gehören: \(\bar{A}\) oder \(\neg A\).
Beispiel: \(A\) = “gerade Augenzahl” → \(\neg A\) = “ungerade Augenzahl”
Definition: Logische Differenz
\(A \setminus B\) besteht aus den Elementarereignissen von \(A\), die nicht zugleich in \(B\) sind (“A minus B”).
Vorsicht
\(A \setminus B \ne B \setminus A\) — Achtung, Asymmetrie! R: setdiff(A, B)
Definition: Zufallsvariable
Die Zuordnung der Elementarereignisse eines Zufallsexperiments zu genau einer Zahl \(\in \mathbb{R}\) nennt man Zufallsvariable.
Schreibweise: \(X: \Omega \rightarrow \mathbb{R}\)
Definition
Bei einer diskreten Zufallsvariablen sind nur bestimmte Realisationen möglich (meist natürliche Zahlen: 0, 1, 2, …).
Eine Wahrscheinlichkeitsverteilung ordnet jeder Realisation einer Zufallsvariablen eine Wahrscheinlichkeit zu.
\[F(x) = \sum_{x_i \le x} Pr(X=x_i)\]
Definition: Verteilungsfunktion
\(F\) gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass \(X\) eine Realisation \(\le x\) annimmt.
Definition: Stetige Zufallsvariable
Eine stetige Zufallsvariable gleicht einer diskreten, nur dass alle Werte in einem Intervall erlaubt sind.
Beispiele: Spritverbrauch, Körpergewicht, Schnabellängen, Blitzer-Geschwindigkeit
Wartezeit gleichverteilt zwischen 0 und 10 Minuten.
Definition: Wahrscheinlichkeitsdichte
Die Dichte \(f(x)\) gibt an, wie viel Wahrscheinlichkeitsmasse pro Einheit von \(X\) an der Stelle \(x\) liegt.
Für stetige \(X\): \(Pr(X = x_j) = 0\) für jedes einzelne \(x_j\) — praktisch relevant sind Intervalle.
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